28.06.2021 SCHWÄBISCH HALL
Quelle: Haller Tagblatt

Migration Mitarbeiter des Flugzeugsitzeherstellers Recaro bilden in Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt Tandems mit Flüchtlingen. Die Beteiligten meistern dabei die Kontaktbeschränkungen der Pandemiezeit. Von Tobias Würth

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Diana Pankau (Awo-Integrationsmanagement), Bruno Oldenbürger und Saskia Hahn Recaro (beide Recaro) leiten das Projekt. Foto: Tobias Würth

 

Küchenparty, Videoanrufe und Hilfe bei Übersetzungen: Acht Mitarbeiter von Recaro treffen sich seit einem Jahr regelmäßig mit geflüchteten Menschen. Das Mentoren-Projekt geht jetzt in die zweite Runde mit je neun weiteren Recaro-Mitarbeitern und Geflüchteten.

„Es geht darum, Tandems zwischen Mitarbeitern von Recaro und geflüchteten Menschen zu bilden. Ziel ist, dass beide Seiten davon profitieren“, erläutert Bruno Oldenbürger von Recaro. Dabei sollen Vorurteile abgebaut werden.

Die Recaro-Mitarbeiter wollten den Klienten der Awo bei der Jobsuche helfen, bei Bewerbungen Tipps geben und vieles weitere. „Wichtig ist uns ein Kontakt auf Augenhöhe“, berichtet Diana Pankau, Integrationsmanagerin bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo), über das gemeinsame Projekt mit dem Flugzeugsitzehersteller. Ziel sei eine gegenseitige Bereicherung.

Recaro will dabei Menschen helfen, die in der Region und in Deutschland als ihre neue Heimat Fuß fassen wollen. Die Idee für das gemeinsame Projekt kam von Bruno Oldenbürger, berichtet Diana Pankau. „Wir haben ein Konzept ausgearbeitet. Es ist ein anderer Rahmen, wenn man das mit einem Unternehmen macht“, sagt Pankau.

Die Mitarbeiter von Recaro mussten sich für das Projekt bewerben. Die Awo hat aus dem Klientenkreis Personen ausgesucht, die dazu passen: Von Schülern über Arbeitssuchende bis hin zu Menschen, die schon einen Job haben. „Es wurden zusammen Lebensläufe geschrieben“, berichtet Diana Pankau.

Die Firma Recaro hatte zuvor eine Schulung organisiert mit drei Modulen. „Es ging zum Beispiel um interkulturelle Kompetenzen und damit um ein Thema von dem man auch bei der Arbeit profitieren kann“, sagt Bruno Oldenbürger, der in der IT-Abteilung arbeitet.

Zudem ging es um den Umgang mit Personen, die eine Traumatisierung in ihrem Leben erfahren haben. Das sei die Vorbereitung auf alle Eventualitäten gewesen. Auch das Konzept des Mentorings wurde bei der Schulung erläutert.

Die Tandempartner sollten sich in der Freizeit treffen. „Doch dann kam Covid“, berichtet Bruno Oldenbürger. Alternative Kommunikationskanäle wurden je nach Inzidenzlage gewählt. Spaziergänge waren fast immer möglich.

„Ich war in der ersten Runde Mentorin und will das unbedingt weiterführen“, berichtet Saskia Hahn. Die Mitarbeiterin aus der Personalabteilung übernimmt daher nun die Leitung des Projekts von Oldenbürger. Die Recaro-Projektbeteiligten werden dabei Mentoren genannt. Die Tandempartner der Awo „Mentis“. Saskia Hahn sieht eine Chance darin, die Geflüchteten auf ihrem Weg in die Arbeitswelt zu begleiten. „Mein erster Menti war 17 Jahre alt und ging noch zur Schule. Er wollte Fußballprofi werden. Da wollte ich ihn auf der Suche nach Alternativen unterstützen“, sagt Saskia Hahn. Die beiden chatteten viel, da ihr „Menti“ wenig Interesse an langen Telefonaten hatte. Aber die Kommunikationsform Chat sei vollkommen in Ordnung. Das Projekt ist bei der Wahl der Kontaktkanäle durch die Teilnehmer frei. „Eine Einladung zum Essen mit der Familie ist ein ganz gängiges und tolles Element“, sagt Saskia Hahn. Von Recaro sind Mitarbeiter aus allen Hierarchieebenen dabei, sogar Abteilungsleiter.

Diana Pankau: „Es ist eine Erfolgsbilanz. Das Projekt hat gut funktioniert. Am Anfang war es spannend zu sehen, welchen Tandempartner man bekommt.“

Bruno Oldenbürger: „Es gibt vorzeigbare Erfolge. So wurde einem Menti geholfen, einen Arbeitsplatz bei einem Friseur zu bekommen. Andere haben ein Paket für ihre Bewerbung zusammengestellt. Damit kann es nun losgehen.“

Eine spannende Frage sei die nach der Geschwindigkeit: Es müsse für beide Seiten in Ordnung sein und es sei eine interessante Frage, welcher der beiden Tandempartner den Kontakt verstärkt.

Am Anfang war es spannend zu sehen, welchen Tandempartner man bekommt.
Diana Pankau
Awo-Integrationsmanagerin

Die Rolle der Projektleitung beschränke sich darauf, die Tandempartner zu begleiten und bei Problemen zu helfen. Die kamen kaum auf. Im letzten Jahr konnte im Sommer, als es Corona-Lockerungen gab, ein Grill-Event organisiert werden. Dabei wurde Volleyball gespielt. Andere größere Treffen waren wegen der Pandemie nicht möglich. Für diesen Sommer ist ein Abschlussfest geplant, um offiziell die zweite Runde zu starten, die bereits anläuft.

Die Projektbeteiligen bieten nun anderen Firmen an, dass die guten Erfahrungen aus dem Projekt gerne kopiert werden können. Sie würden dafür den Ablauf und die Details nennen.

 

Nachahmer gesucht, Konzept vorhanden

Von Anfang an wurde das Projekt so konzipiert, dass andere Unternehmen aus der Region es als „Blaupause“ verwenden können. Die Projektpartner stellen daher gerne ihr Wissen und ihre Erfahrungen zur Verfügung. Kontakt: diana.pankau@awo-sha.de und bruno.oldenbuerger@recaro-as.com, saksia.hahn@recaro-as.com.

 

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