Eine nähere Betrachtung der Risikogruppen für Armut zeigt; Armut hat viele Gesichter. Neben kinderreichen Familien, Alleinerziehenden, Arbeitslosen und Migranten zählen zunehmend auch Rentner zu den Personengruppen die besonders häufig von Armut betroffen sind. Mit der Veranstaltung am 08.10.2019 „Armutsfalle Alter-alt und arm in einem reichen Land“ schenkten die AWO und die Volkshochschule Schwäbisch Hall dem Thema Altersarmut eine besondere Beachtung. Eine Mischung aus dem Zahlen- und Faktenwissen von Prof. Dr. Thomas Beyer, Professor für Recht in der Sozialen Arbeit und Vorsitzender der AWO Bayern und dem regionalen Blick vom Vorsitzenden des Kreisseniorenrates in Schwäbisch Hall, Karl-Heinz Pastoors ergab einen interessanten, aufschlussreichen und nachdenklich stimmenden Abend zum Thema Altersarmut.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung mahnt Prof. Dr. Beyer die Zahlen zu Altersarmut immer regional zu betrachten. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung gilt ein Rentner/ eine Rentnerin als arm, wenn sein/ ihr monatliches Nettoeinkommen unter 905,00 Euro liegt. Da aber in Baden-Württemberg die Lebenshaltungskosten z.T. höher sind als in anderen Teilen Deutschlands lag die Armutsschwelle in Baden-Württemberg 2016 mit 1.055,00 Euro netto monatlich höher als in Gesamtdeutschland.

Sowohl Pastoors, als auch Prof. Dr. Beyer und der AWO Kreisvorsitzende Christian Gaus bezeichnen Altersarmut als ein Stigma in unsere Gesellschaft, unter dem die Betroffenen stark leiden. Auch wenn die von Armut betroffenen Menschen in Deutschland nicht täglich um ihr Überleben kämpfen müssen, leiden sie unter der relativen Armut. „Für die über 65-Jährigen, die von Armut betroffen sind, ist es unmöglich am normalen Leben teilzunehmen“ weiß Pastoors. „Die Auswirkungen von Altersarmut sind eine eingeschränkte Lebensqualität, geringe Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, gesundheitliche Probleme und sogar eine niedrigere Lebenserwartung“ erklärt Prof. Dr. Beyer weiter. Ergänzend dazu postuliert er: „Altersarmut ist weiblich“. Während 2018 in Baden-Württemberg 14,1 Prozent der Männer über 65 Jahre altersarmutsgefährdet waren, waren es bei den Frauen 19 Prozent. Die Gründe für die stärkere Betroffenheit von Frauen sind schnell gefunden. Dazu zählen vor allem die brüchigen Erwerbsbiographien aufgrund von Pausen durch Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen sowie Arbeitsverhältnisse im Niedriglohnsektor.

Dass Altersarmut trotz guter wirtschaftlicher Lage auch nicht vor den Landkreisgrenzen von Schwäbisch Hall haltmacht musste Pastoors feststellen. „Im Landkreis erhalten ca. 22.000 Menschen eine Rente von unter 1.000 Euro“. Mit diesen Zahlen vor Augen zeigte sich Pastoors verwundert, dass viele Bürgermeister im Landkreis dieses Thema nicht auf der Agenda haben, wie eine Umfrage von Seiten des Kreisseniorenrates ergab. „Einige der Bürgermeister waren sehr zurückhaltend bei dem Thema Altersarmut“ erklärte Pastoors. Vor dem Hintergrund solcher Erfahrungen überrascht die folgende gemeinsame Kernforderung der Redner an diesem Abend nicht. Das Ziel beim Umgang mit Armut in unserer Gesellschaft dürfe nicht darin bestehen uns mit der Armut zu arrangieren, es gehe vielmehr darum die Politik auf das stumme Leiden der Betroffenen aufmerksam zu machen und den Druck auf die selbigen zu erhöhen. 

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 V.l.n.r: Karl-Heinz Pastoors Vorsitzender des Kreisseniorenrats Schwäbisch Hall, Prof. Dr. Beyer Professor für Recht in der Sozialen Arbeit und Vorsitzender der AWO Bayern, Christian Gaus Kreisvorsitzender der AWO Schwäbisch Hall

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